Warum wird Kaffee auf der ganzen Welt teurer?

In den letzten Monaten tauchen vermehrt Berichte über steigende Lebensmittelpreise auf. Die Corona-Pandemie, der Klimawandel und daraus entstandene wirtschaftliche Unsicherheit haben den Welthandel und die deutsche Wirtschaft einem ungewöhnlichen Druck ausgesetzt, der sich auch in den Lebensmittelpreisen niederschlägt. Unter den betroffenen Lebensmitteln befindet sich auch die Kaffeebohne und ihre Endprodukte. Doch was steigt hinter diesem neuerlichen Preisanstieg?

Ernteausfälle, extremes Wetter und die Corona-Pandemie

Im Spätsommer dieses Jahrs berichten zahlreiche Zeitungen von den steigenden Kaffeebohnenpreisen und suchen die Ursachen in den Anbauländern. So veröffentlicht der Spiegel einen Bericht über steigende Kosten bei der Anschaffung von Arabica-Kaffeebohnen aus Brasilien. Beim Kaffee-Giganten Brasilien spielt das Wetter nicht mit. Erst ist es zu trocken, dann bedroht Frost die Kaffeeplantagen. Das extreme Wetter setzt den Pflanzen zu; teils fallen Ernten aus. Hinzu kommt, dass die Transportkosten in Kolumbien, einem weiteren Großproduzenten, steigen und politische Unruhen die heimische Wirtschaft schwächen. Mit Verzögerung kommen diese gestiegenen Kosten auch bei den Konsumenten an. Deswegen ist auch in den nächsten Monaten ein weiterer Preisanstieg zu erwarten.

Doch nicht nur Südamerika hat mit schlechten Anbau- und Verarbeitungsbedingungen zu kämpfen. Der Deutschlandfunk berichtet über ähnliche Zustände im Vietnam. Der Vietnam ist nach Brasilien der weltweit größte Kaffeebohnenproduzent. Dessen Exportbemühungen werden aber durch einen Corona-Lockdown um Ho-Chi-Minh-Stadt im August nahezu zum Erliegen gebracht.

Ganz konkret ist der Preis von Kaffee seit Oktober 2020 um etwa 50 Prozent angestiegen. Allerdings muss an dieser Stelle auch gesagt sein, dass der Kaffeepreis zuvor ausgesprochen niedrig war.

Wer leidet unter teurerem Kaffee?

 

Ist der teurere Kaffee ein großes Problem für uns? Wohl eher nicht. Die Preiserhöhungen werden nur langsam an uns weitergegeben. Auch wenn der Preis auf dem höchsten Stand seit 2014 ist, bleiben die Kaffeebohnen hierzulande bezahlbar.

Ganz anders kann es aber bei Kaffeebauern in Südamerika, Südostasien und anderen Anbauländern aussehen. Gerade jene, die Verträge mit Großkonzernen geschlossen sehen sich einem enormen Druck gegenüber. Die ohnehin schon niedrige Gewinnbeteiligung der Bauern wird durch die schwächeren Ernten und gestiegenen Kosten vor Ort weiter geschmälert. Die Belastungen der Corona-Pandemie selbst wiegen schwer auf den Schultern der Bauern. Dass sie die Corona-Pandemie überstehen, ist alles andere als sicher. Wie es danach weitergeht, steht in den Sternen. Die extremen Wetterbedingungen könnten die neue Normalität werden. In diesem Fall wäre ihre Existenz langfristig bedroht.

Teurer Kaffee. Na und? Oder: Was ist mir mein Kaffee wert?

Am Ende liegt es an uns zu entscheiden, ob es uns die gestiegenen Preise wert sind. Preise um die fünf Euro pro Kilo mögen deftig sein, doch sind sie allemal bezahlbar. Wenn man bedenkt, welchen Wert der morgendliche Kaffee im Arbeitsalltag vieler Deutscher hat, sind fünf Euro doch ein recht geringer Preis.

An den Konsumenten in Europa liegt es auch, einen Beitrag an den Anbaustätten zu leisten. Die steigenden Preise regen nämlich wieder einmal ein Reflektieren über die Produktionsbedingungen und Qualität der Kaffeebohnen an. Wenn ich schon einen höheren Preis für meinen Kaffee bezahle, sollte er das auch wert sein. Somit rücken mittelständige Kaffeeröstereien und Fairtrade-Betriebe ins Blickfeld. Der nachhaltige und fair produzierende Kaffee-Hersteller Gepa gibt beispielsweise beinahe 30 Prozent seiner Gewinne an die Bauern in den Anbauländern weiter. Derartige Gewinnbeteiligungen können dortige Ausfälle kompensieren, Rücklagen ermöglichen und ihre wirtschaftliche Situation inmitten der Corona-Pandemie stabilisieren.

Kleine Röstereien in Deutschland implementieren ähnliche Vorgehensweisen. Die Stuttgarter Kaffeerösterei Hochland-Kaffee arbeitet beispielsweise eng mit Herstellern in Costa Rica zusammen. Bauer und Abnehmer begegnen sich auf Augenhöhe, die Preise werden im Vornherein verbindlich festgelegt und hängen von der Qualität der Bohnen und den Produktionsbedingungen ab. Hochland-Kaffee versucht den Produktionsdruck durch engen Austausch mit den Bauern und verlässliche Abnahmeverträge zu senken.

Wo gibt es fair gehandelten Kaffee?

Um fair gehandelte Kaffeebohnen zu finden, muss man etwas weiter als nur im Supermarkt suchen. Am besten ist natürlich der Besuch in einer Kaffeerösterei, aber auch Fachhändler, offline sowie online, bieten eine breite Palette an fair und nachhaltig geförderten Kaffeevariationen an. Diese müssen nicht zwangsläufig sein. Es gibt viele Röstereien, die einen Mittelweg aus hoher Qualität und angemessenen Preisen gefunden haben, von dem nicht nur Kunden und Verkäufer, sondern auch Anbauer profitieren.

Ausblick – Wann wird der Kaffee wieder günstiger?

Experten und Marktforscher erwarten, dass der Preis von Kaffeebohnen und Kaffeepulver vorerst weiter ansteigen wird, da die Preiserhöhungen in den Anbauländern noch nicht vollständig an den Endhandel weitergegeben worden sind. Dabei wird es sich aber voraussichtlich um einen eher geringen Anstieg handeln.

Langfristig könnte das Preisniveau der Kaffeebohnen allerdings wieder sinken. Die Corona-Pandemie hat gerade im Vietnam einen großen Teil der Schwierigkeiten ausgemacht. Auch andere durch Corona bedingte Engpässe und Ausfälle, dürften in naher Zukunft ausbleiben und dem Markt Entspannung bringen.

Extreme klimatische Bedingungen stellen aber weiterhin ein großes Problem dar. Das extreme Wetter in Brasilien könnte den Ernterhythmus der Kaffeebohnen durcheinanderbringen, wodurch die Ernte deutlich kleiner ausfallen würde. Derartige Umstände würden dem Preisniveau langfristig schaden.

Es bleibt abzuwarten, in welche Richtung sich der Markt entwickeln wird. Doch eine Perspektive zeichnet sich schon anhand der aktuellen Umstände ab. Ein Umdenken zu nachhaltigen, sozial angebauten und hochwertigen Kaffeebohnen scheint unumgänglich.

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